Pogromnacht-Gedenken und Ghetto-Tangos: Zwei Termine am Bunker Friedberger Anlage
Die Initiative 9. November lädt am Montag, 9. November, zum Gedenken und am Sonntag, 15. November, zum Konzert mit jiddischen Ghetto-Tangos in den Bunker.
Die Initiative 9. November lädt zu zwei Terminen am Bunker an der Friedberger Anlage 5-6 ein: zum Gedenken am Montag, 9. November, und zu einem Tango-Konzert am Sonntag, 15. November. Beide Veranstaltungen beginnen um 17 Uhr.
Montag, 9. November: Gedenken am Ort der Synagoge
Vor 88 Jahren zerstörte ein fanatischer Mob die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft an der Friedberger Anlage. Die Nationalsozialisten hatten ihn aufgehetzt. Heute steht dort ein Bunker. Die Initiative erinnert an das Pogrom, die Zerstörung der Synagogen und die Ermordung der Frankfurter Juden. Sie lädt ein „In einer Zeit, in der in Deutschland eine faschistische Partei immer stärker wird“.
Auf die Außenfassade des Bunkers projiziert der World Jewish Congress an diesem Abend eine virtuelle Rekonstruktion der früheren Synagoge. Entworfen hat sie der Fachbereich Digitales Gestalten der Technischen Universität Darmstadt. Die Ausstellungen in der Gedenkstätte sind an dem Abend geöffnet.
Sonntag, 15. November: Jiddische Ghetto-Tangos
Im Bunker setzt die Initiative ihre Tango-Reihe fort. Das Konzert trägt den Titel „Tsi darf es azoy zayn? – Muss es so sein?“. Es spielt das Internationale Projektensemble Barrio de Tango mit Gesang, Bandoneon, Violine, Piano und Kontrabass.
Ende des 19. Jahrhunderts schrieben osteuropäisch-jüdische Komponisten neue Tangos. Warschau galt als Hauptstadt dieser Richtung. Im Zweiten Weltkrieg und während der Shoah tauchte der Tango auch in Ghettos und Konzentrationslagern auf, in einer zwiespältigen Rolle: Für die Menschen dort war er ein Ausdruck der Hoffnung auf Freiheit. Die Unterdrücker nutzten ihn dagegen als Mittel der Gewalt, als „Soundtrack“ für Folter und Tod.
Neben der Musik geht es um die Geschichten rund um den Tango. Themen sind die Verbote für Bandoneonvereine in Nazi-Deutschland und die Zerstörung jüdischer Kulturgüter. Es geht aber auch um Kunst und Musik als Form des Widerstands.
Quelle: Frankfurter Rundschau